- Sicherheitsbezogenes elektrisches Steuerungssystem
(SRECS) - Der IEC-62061-Begriff für das Sicherheitssteuerungssystem einer Maschine. Äquivalent zu SRP/CS in ISO 13849 (anderes Vokabular, ähnlicher Geltungsbereich). Umfasst elektrische, elektronische und programmierbare elektronische Sicherheitsfunktionen, gegliedert in Teilsysteme (Eingang / Logik / Ausgang).
- Sicherheitsintegritätslevel + Anspruchsgrenze
(SIL / SILCL) - Gleiche Skala wie das SIL nach IEC 61508, jedoch für Maschinen auf SIL 3 begrenzt (SIL 4 hat im Kontext einer einzelnen Maschine keine praktische Anwendung). SILCL ist das höchste SIL, das ein Teilsystem angesichts seiner Architektureinschränkungen (HFT + SFF) beanspruchen darf. Das SRECS erreicht das niedrigste SILCL seiner Teilsysteme, sofern die Summe der PFHD den Zielwert einhält.
- Wahrscheinlichkeit eines gefahrbringenden Ausfalls pro Stunde
(PFHD) - Gleiche Kenngröße wie ISO 13849. SIL 1: 10⁻⁶ ≤ PFHD < 10⁻⁵. SIL 2: 10⁻⁷ ≤ PFHD < 10⁻⁶. SIL 3: 10⁻⁸ ≤ PFHD < 10⁻⁷. Maschinensicherheitsfunktionen sind hochanfordernd — maßgeblich ist daher das PFHD, nicht das PFDavg.
- Teilsystem und Teilsystemelement
- Das SRECS wird in Teilsysteme zerlegt (Sensor / Logik / Aktor). Jedes Teilsystem hat ein eigenes SILCL und ein eigenes PFHD. Das System-PFHD ist die Summe der Teilsystem-PFHD; das System-SILCL ist das Minimum der Teilsystem-SILCL. Diese Zerlegung ist der Kern einer 62061-Berechnung.
- Architektur A, B, C, D
- IEC 62061 definiert 4 Referenzarchitekturen, die im Wesentlichen den Kategorien B/1/2/3/4 von ISO 13849 entsprechen, jedoch als A-D bezeichnet werden. Jede kombiniert Hardware-Fehlertoleranz und Diagnosedeckungsgrad und liefert eine explizite PFHD-Formel (Anhang D).
- Hardware-Fehlertoleranz und Anteil ungefährlicher Ausfälle
(HFT / SFF) - Aus IEC 61508-2 übernommene Architektureinschränkungen. HFT = Anzahl der Fehler, die ein Teilsystem toleriert und trotzdem die Sicherheitsfunktion erfüllt; SFF = Anteil der Ausfälle, die ungefährlich oder erkannt-gefährlich sind. Das Paar HFT/SFF legt das höchste beanspruchbare SILCL eines Teilsystems fest, unabhängig vom berechneten PFHD.
- Diagnosedeckungsgrad
(DC) - Anteil der gefährlichen Ausfälle, die von der integrierten Diagnose erkannt werden. Für SIL 3 (Architektur D) muss ein kreuzüberwachtes Zweikanalsystem DC > 99 % erreichen. Der DC senkt direkt die effektive gefährliche Ausfallrate, die in die PFHD-Berechnung eingeht.
- Bewertung von Ausfällen gemeinsamer Ursache
(CCF / β) - 62061 verwendet eine Checkliste (Anhang F: Trennung, Diversität, Umgebung, Kompetenz…), die in einen β-Faktor umgesetzt wird (typisch 5-10 %). Wie ISO 13849 entscheidet sie, ob Redundanz angerechnet werden darf: redundante Kanäle, die aus derselben Ursache ausfallen, heben die Architektur auf.
- Bestimmung des erforderlichen SIL (Risikobeurteilung)
- Das Ziel-SIL ergibt sich aus der Maschinen-Risikobeurteilung nach ISO 12100. Ausgabe 1 (2005) bot eine informative Bewertungsmethode — Schwere Se × Klasse Cl, wobei Cl = Häufigkeit Fr + Wahrscheinlichkeit Pr + Vermeidung Av. Ausgabe 2 (2021) überlässt die Schätzung ISO 12100 und bleibt mit der PLr-Route von ISO 13849 harmonisiert.
- Plan zur funktionalen Sicherheit
(FSP) - 62061 verlangt einen dokumentierten Plan über den gesamten SRECS-Lebenszyklus: Anforderungsspezifikation, Auslegung, Integration, Verifikation, Validierung, Änderungsmanagement und Kompetenz. Das Maschinen-Pendant zur Disziplin des Managements der funktionalen Sicherheit nach IEC 61508 / 61511.
- Wiederholungsprüfintervall
(T1) - Periodische Funktionsprüfung, die ein Teilsystem in den Zustand „so gut wie neu“ zurückversetzt. Auch im Hochanforderungsbetrieb beeinflussen Prüfintervall und Missionsdauer die angerechnete Zuverlässigkeit von Komponenten, die nicht kontinuierlich diagnostiziert werden.