IEC 61131-1 Allgemeine Informationen
Definitionen, Anwendungsbereich, Klassifizierung von SPS.
Suchen Sie in Normen, Werkzeugen, Artikeln, Lernkarten und Glossar.
IEC 61131 ist die internationale Norm fuer speicherprogrammierbare Steuerungen. Teil 3 standardisiert die 5 Programmiersprachen der industriellen Automatisierung (LD, FBD, SFC, ST, IL) und ermoeoelicht Codeportabilitaet zwischen PLC-Plattformen sowie ein gemeinsames Fachvokabular fuer Automatisierungsingenieure weltweit.
IEC 61131-1 Definitionen, Anwendungsbereich, Klassifizierung von SPS.
IEC 61131-2 Hardwareanforderungen: Umgebung, EMV, Mechanik, elektrische Sicherheit.
IEC 61131-3 DER bekannte Teil. Definiert 5 Programmiersprachen (Kontaktplan LD, Funktionsblockdiagramm FBD, Ablaufsprache SFC, Strukturierter Text ST, Anweisungsliste IL — seit 2013 zurueckgezogen). Ausserdem Datentypen, POE (Programm-Organisationseinheiten), Tasks.
IEC 61131-4 Auswahl und Anwendung von SPS (informativ).
IEC 61131-5 Konzepte zur Kommunikation zwischen SPS (in der Praxis weitgehend durch OPC UA abgeloest).
IEC 61131-6 Sicherheitsrelevante Aspekte beim Einsatz von SPS in Sicherheitsanwendungen (Verknuepfung mit IEC 61508).
IEC 61131-7 Nischenthema: Standardisierung der Fuzzy-Logik. Selten eingesetzt.
IEC 61131-8 Best Practices fuer die Verwendung der IEC 61131-3-Sprachen.
IEC 61131-9 Standardisiert IO-Link, das dominante Protokoll fuer intelligente Sensoren/Aktoren in modernen Fabriken.
IEC 61131-10 PLCopenXML: Standard-XML-Schema zum Speichern von IEC 61131-3-Programmen. Ermoeoelicht herstellerneutralen Programmaustausch.
(POE) Die industrielle Automatisierung der 1970er und 80er Jahre war ein Turmbau zu Babel: Jeder SPS-Hersteller (Modicon, Allen-Bradley, Siemens, Mitsubishi, Omron, Telemecanique…) hatte seine eigene Programmiersprache, seine eigene Entwicklungsumgebung und sein eigenes Konzept der Speicheradressierung. Ein auf Siemens ausgebildeter Ingenieur konnte ohne monatelange Umschulung nicht an einer Allen-Bradley-SPS arbeiten.
IEC 61131-3 (1993, grosse Uberarbeitung 2013) hat das geaendert. Die definierten 5 Sprachen werden heute von jedem grossen SPS-Hersteller in irgendeiner Form unterstuetzt. Ingenieure koennen mit intaktem Vokabular die Plattform wechseln. Codemuster sind prinzipiell portierbar (in der Praxis schaffen herstellerspezifische Erweiterungen noch immer Abhaengigkeiten).
Jede spricht eine andere Ingenieurstradition an:
Elektriker Verfahrensingenieure Programmierer
\ / /
\ / /
\ / /
[LD] Relaissschaltbild [FBD] Blockschaltbild [ST] Pascal-artig
Verfahrensingenieure
[SFC] Zustandsautomat
(IL war assemblerartig, seit 2013 zurueckgezogen)
Ein modernes Industrieprogramm MISCHT typischerweise:
Dieser mehrsprachige Code ist normale IEC 61131-3-Praxis und kein Zeichen von Verwirrung.
Portierbar: Datentypen, grundlegende Algorithmen, einfache Funktionsbausteine, Standard-Motion-FBs (PLCopen MC).
Nicht portierbar:
Das bedeutet, dass der PLCopenXML-Import/Export (Teil 10) ca. 70% eines Automatisierungsprojekts abdeckt; der Rest erfordert noch herstellerspezifische Konfiguration. Fuer eine vollstaendig herstellerneutrale Codebasis ist CODESYS der praktische Marktfuehrer — seine Laufzeitumgebung ist von ca. 50 SPS-Herstellern lizenziert (Beckhoff, WAGO, Lenze, ABB usw.) und bietet echte plattformubergreifende Portabilitaet.
Standard-SPS sind NICHT sicherheitsgeeignet. Fuer Sicherheitsfunktionen benoetigt man eine Sicherheits-SPS (Pilz PNOZ, HIMA HIMax, Siemens S7-1500F, Allen-Bradley GuardLogix, Beckhoff TwinSAFE), die kombiniert:
Moderne Sicherheits-SPS werden in IEC 61131-3 mit Sicherheitserweiterungen programmiert, sodass die Erfahrung des Ingenieurs einheitlich ist. Der Sicherheitscode wird jedoch separat auf Werkzeugkettenebene zertifiziert (TUV-/exida-Zertifizierung der IDE + Laufzeitumgebung + Hardwareplattform).
Ausgabe 3 (2013) fuehrte objektorientierte Merkmale ein: METHODEN auf Funktionsbausteinen, SCHNITTSTELLEN, VERERBUNG. Damit naeherte sich die SPS-Programmierung modernen Software-Engineering-Praktiken an, aber die Ubernahme ist uneinheitlich:
Bei neuen Projekten gilt die behutsame Nutzung von OOP (Vererbungskomplexitaet vermeiden, aber Methoden + Schnittstellen fuer Testbarkeit nutzen) als anerkannte gute Praxis. Aelterer “alles global” SPS-Code wird zunehmend als Altsystem betrachtet.