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IEC 60079-25

IEC 60079-25

Eigensichere elektrische Systeme

IEC 60079-25 erweitert IEC 60079-11 von einzelnen Betriebsmitteln auf vollständige eigensichere Systeme (Stromkreise, Segmente). Sie legt fest, wie zertifizierte IS-Komponenten zu einer dokumentierten sicheren Anlage kombiniert werden.

Dokumentstruktur

IEC 60079-25:2010

Eigensichere elektrische Systeme

Verbindet geräteseitige IS (IEC 60079-11) mit installationsseitiger IS. Definiert: Kombinationsregeln für Entity-Parameter, FISCO-Systementwurf, FNICO für energiebegrenzte Feldbusse, IS-Systemdokumentationsanforderungen.

Schlüsselbegriffe

IS-System
Eine Kombination zertifizierter IS-Komponenten (Transmitter, Barriere, Kabel), die gemeinsam als eigensicherer Stromkreis betrieben werden. Das System ist nur dann sicher, wenn ALLE Komponenten den Entity-Parametern entsprechen UND die Installation IEC 60079-14 einhält.
Entity-Parameter-Abgleich
Die vollständige Kette: Ui (Transmitter) ≥ Uo (Barriere), Ii ≥ Io, Pi ≥ Po, Ci + Cc(Kabel) ≤ Co, Li + Lc ≤ Lo. Muss unter allen glaubhaften Fehlerbedingungen eingehalten werden.
FISCO
Fieldbus Intrinsically Safe Concept. Vordefinierte Stammparameter für Foundation Fieldbus / PROFIBUS PA-Segmente. Jedes FISCO-zertifizierte Gerät kann ohne Neuberechnung hinzugefügt werden. Paradigmenwechsel für Feldbus-IS-Installationen seit 1999.
FNICO
Fieldbus Non-Incendive Concept. Nur-Zone-2-Variante von FISCO. Weniger streng, aber begrenzte Zonenverwendbarkeit.
Systemdokumentation
Jedes IS-System erfordert eine Dokumentationsmappe, die die Einhaltung der Entity-Parameter belegt. Wird Teil der technischen Dokumentation der Anlage.

Notes & guidance

Warum Systeme eine eigene Norm benötigen

IEC 60079-11 zertifiziert Betriebsmittel. IEC 60079-25 stellt sicher, dass auch der entstehende STROMKREIS sicher ist, wenn diese Betriebsmittel miteinander verbunden werden. Dies ist nicht trivial, weil:

  1. Kabelkapazität / -induktivität summiert sich: Ein 500-m-Kabel trägt ca. 50 nF Ci und 0,5 mH Li zum Stromkreis bei
  2. Mehrere Geräte auf einem Segment (Feldbus): Ci und Pi jedes Geräts summieren sich
  3. Fehler können sich fortpflanzen: Ein Fehler in einem Gerät auf einem Segment könnte ein anderes auslösen

Die Norm von 2003 formalisierte die Regeln. Die Revision von 2010 integrierte FISCO, das zum dominierenden IS-Feldbusschema geworden war.

Stromkreisprüfung — die 5 Kontrollpunkte

Für jeden IS-Stromkreis in der Anlage:

1. Ui (Gerät) ≥ Uo (Barriere)
2. Ii (Gerät) ≥ Io (Barriere)
3. Pi (Gerät) ≥ Po (Barriere)
4. Ci (Gerät) + Cc (Kabel) ≤ Co (Barriere)
5. Li (Gerät) + Lc (Kabel) ≤ Lo (Barriere)

Wenn alle 5 eingehalten werden → Stromkreis ist eigensicher. Dokumentieren und fortfahren. Wenn einer nicht eingehalten wird → Stromkreis neu konstruieren (andere Barriere, kürzeres Kabel, Gerät mit niedrigerem Ci).

Für typische 24-V-DC-4-20-mA-Stromkreise mit modernen Barrieren und modernen Transmittern haben die Parameter meist reichlich Reserve. Probleme entstehen bei:

  • Sehr langen Kabelstrecken (> 500 m erfordern sorgfältige Kapazitätsprüfung)
  • Hochleistungsstromkreisen (> 30 V oder > 100 mA)
  • Multi-Drop-HART-Stromkreisen (mehrere Ci-Werte addiert)

FISCO-Vereinfachung

Vor 1999 war jedes Feldbussegment eine individuelle IS-Berechnung. Jedes hinzugefügte Gerät erforderte eine neue Berechnung. FISCO definierte eine standardisierte “Hülle”:

FISCO Foundation Fieldbus Standard-Stammparameter:
- Stammspannung: 17,5 V max.
- Stammstrom: 380 mA max.
- Stamminduktivität: 5 mH max.
- Stammkapazität: Ci der summierten Geräte muss innerhalb von 5 µF bleiben
- Max. Stammleistung: 30 W

Innerhalb dieser Grenzen FISCO-Geräte frei hinzufügen oder verschieben. Die einzige erforderliche Prüfung: Gesamtquiescent-Strom aller Geräte ≤ verfügbare Spannungsversorgung. Massive Vereinfachung des Feldbusplans.

Fast alle Prozess-Feldbussegmente in modernen Anlagen basieren auf FISCO. Die Ausnahmen (individuelle IS-Berechnungen) sind meist Altanlagen, die schrittweise migriert werden.

IS-Systeme in Sicherheitsfunktionen (SIS)

Wenn der IS-Stromkreis Teil einer sicherheitsinstrumentierten Funktion (SIF) nach IEC 61511 ist, gelten zusätzliche Überlegungen:

  • Barrieren-Fehlermodus: Zener-Barrieren und galvanische Trenner haben unterschiedliche Fehlermodi
  • Diagnoseabdeckung: Moderne Trenner melden Kurzschluss / Leitungsbruch / Erdschluss an das Leitsystem — anrechenbar als DC in PFD-Berechnungen
  • Common Cause: Ein einzelner Barriereausfall, der mehrere SIF-Eingänge betrifft, erzeugt Beta-Faktor-Bedenken

Moderne Sicherheitspraxis koppelt häufig galvanische Trenner (bessere Diagnosen, keine Erdabhängigkeit) mit redundanten SIL-bewerteten Transmittern für SIL 2 / SIL 3-SIFs.

Betroffene Branchen

  • Alle Prozessindustrien (IS-Instrumentierungsstromkreise überall)

Referenzen & Vertiefung