CAPEX und OPEX: die zwei Geldtöpfe eines Industrieprojekts
Die prägendste Unterscheidung der Industrieökonomie: was man einmalig für die Anschaffung ausgibt (CAPEX) und was man laufend für den Betrieb ausgibt (OPEX).
Die Idee in einem Satz
Jedes Industrieprojekt wird auf zwei Arten bezahlt: eine große Ausgabe am Anfang, dann kleine Ausgaben, die jedes Jahr wiederkehren. Die erste heißt CAPEX, die zweite OPEX. Sie zu unterscheiden ist die Grundlage jeder Investitionsentscheidung.
CAPEX — die Investitionsausgabe
CAPEX steht für Capital Expenditure, die Investitionsausgabe. Es ist das einmalig ausgegebene Geld für ein langlebiges Gut, das jahrelang dient:
- Steuerungen, Umrichter, Sensoren;
- Maschinen, Pumpen, Motoren;
- Gebäudebau, Tiefbau;
- Installation, Verkabelung, Inbetriebnahme.
Buchhalterisch wird diese Ausgabe nicht auf einmal als Aufwand gebucht: Man verteilt sie über die Lebensdauer des Equipments. Das ist die lineare Abschreibung:
Eine für 20.000 € gekaufte und über zehn Jahre abgeschriebene Steuerung „kostet” also 2.000 € pro Jahr in den Büchern, obwohl das Geld bereits im ersten Jahr abfloss.
OPEX — die Betriebsausgabe
OPEX steht für Operational Expenditure, die Betriebsausgabe. Es ist das laufend ausgegebene Geld, um das Gut Jahr für Jahr zu betreiben:
- Energie: Strom, Gas, Druckluft, Dampf;
- Wartung: Teile, Verträge, Einsätze;
- Betriebspersonal;
- Verbrauchsmaterial, Hilfsstoffe, Softwarelizenzen.
Anders als der CAPEX ist der OPEX eine wiederkehrende Last. Er wird nicht abgeschrieben: Er fällt jedes Jahr an, solange die Anlage läuft.
Warum diese Unterscheidung alles verändert
Die klassische Falle ist, Equipment allein über den Kaufpreis zu wählen. Doch günstiger im Kauf kann im Betrieb viel teurer sein. Nehmen wir zwei Motoren:
| Motor A | Motor B | |
|---|---|---|
| Kaufpreis (CAPEX) | 1.000 € | 1.400 € |
| Verbrauch (OPEX/Jahr) | 1.200 € | 900 € |
| Kosten über 10 Jahre | 13.000 € | 10.400 € |
Motor A ist günstiger im Kauf, doch sein Mehrverbrauch macht ihn über zehn Jahre 2.600 € teurer. Genau das ist die Logik hinter Hocheffizienzmotoren (IE3, IE4): ein höherer CAPEX, gerechtfertigt durch einen niedrigeren OPEX. Ein 75-kW-Motor, der 6.000 h/Jahr läuft, verbraucht allein für rund 54.000 €/Jahr Strom (bei 0,12 €/kWh) — schon im ersten Jahr weit mehr als sein Kaufpreis.
Die Verschiebung von CAPEX zu OPEX
Ein starker Industrietrend: CAPEX in OPEX zu verwandeln. Statt einen Server zu kaufen (CAPEX), mietet man Cloud (OPEX). Statt eine Maschine zu kaufen, zahlt man pro Nutzung. Der Vorteil: weniger gebundenes Kapital am Anfang, mehr Flexibilität. Der Nachteil: langfristig kostet Mieten oft mehr als Kaufen.
Diese Wahl ist daher nicht nur technisch: Sie bindet Liquidität und Strategie des Unternehmens.
Mini-Quiz
1. Eine Steuerung, für 20.000 € gekauft, um eine Linie 10 Jahre zu führen, ist…
Es ist eine einmalige Investition in ein langlebiges Gut: CAPEX, über die Lebensdauer abgeschrieben.
2. Die jährliche Stromrechnung eines Motors ist…
Energie ist eine wiederkehrende Betriebsausgabe: OPEX.
3. Warum kann sich der Kauf eines teureren IE4-Motors lohnen?
Ein höherer CAPEX rechtfertigt sich durch einen niedrigeren OPEX: über die Zeit sinken die Gesamtkosten.