ROI und Amortisationszeit: Lohnt sich eine Investition?
Zwei einfache Werkzeuge zur Entscheidung: Der Return on Investment misst den Gewinn, die Amortisationszeit misst, wie schnell sich die Investition zurückzahlt.
Die Frage, die alle stellen
Vor der Freigabe einer Investition kommt eine Frage immer wieder: „Was bringt es, und in welcher Zeit?”. Zwei einfache Kennzahlen beantworten sie: die Amortisationszeit und der ROI.
Die Amortisationszeit (Payback)
Die Amortisationszeit ist die Dauer, nach der die Gewinne die anfängliche Investition zurückgezahlt haben. Ihre einfache Form passt in eine Zeile:
Beispiel: Man installiert eine Wärmerückgewinnung für 60.000 € (CAPEX), die die Gasrechnung um 20.000 € pro Jahr senkt. Die Amortisationszeit beträgt Jahre. Veranschaulicht wird sie durch den kumulierten Cashflow, der bei der negativen Investition startet und im Jahr 3 die Null durchschreitet:
Danach sind die 20.000 €/Jahr reiner Gewinn. Je kürzer die Amortisationszeit, desto attraktiver das Projekt: Man holt seinen Einsatz schnell zurück und senkt das Risiko. In der Praxis akzeptiert die Industrie Projekte unter 2 bis 3 Jahren bereitwillig, zögert zwischen 3 und 5 Jahren und verlangt darüber hinaus eine strategische Begründung.
Der ROI (Return on Investment)
Der ROI misst nicht die Geschwindigkeit, sondern die Höhe des Gewinns, in Prozent:
Nochmals die Wärmerückgewinnung: Über 10 Jahre bringt sie 200.000 € Einsparungen bei 60.000 € Investition, also . Jeder investierte Euro brachte 2,33 zusätzlich ein.
Payback, ROI… und die Abzinsung
Beide Kennzahlen ergänzen sich: Die Amortisation misst die Geschwindigkeit (in Jahren), der ROI die Höhe (in Prozent). Doch beide ignorieren eine Realität: Ein Euro morgen ist weniger wert als ein Euro heute. Bei großen, langen Projekten zinst man die Flüsse mit dem Kapitalwert ab:
Ein Projekt schafft Wert, wenn sein Kapitalwert positiv ist; der IRR (interner Zinsfuß) ist der Satz , der den Kapitalwert null werden lässt, zu vergleichen mit den Kapitalkosten. Die einfache Amortisation bleibt das tägliche Sichtungswerkzeug; Kapitalwert und IRR entscheiden die schweren Abwägungen.
Die Fallstricke
- Versteckte Kosten vergessen: Ein Automatisierungsprojekt ist nicht nur Hardware; Integration, Schulung und Wartung verlängern die echte Amortisation.
- Gewinne überschätzen: das optimistische statt des vorsichtigen Szenarios nehmen. Eine mit 2 Jahren angekündigte Amortisation, die auf 5 abdriftet, zerstört Vertrauen.
- Die Lebensdauer ignorieren: Eine Amortisation von 4 Jahren bei einer Anlage, die 5 Jahre hält, lässt wenig Spielraum.
Mini-Quiz
1. Ein Projekt kostet 40.000 € und spart 10.000 € pro Jahr. Wie lautet die einfache Amortisationszeit?
40.000 ÷ 10.000 = 4 Jahre. Nach 4 Jahren ist die Investition durch die Einsparungen zurückgezahlt.
2. Welches von zwei Projekten wird in der Regel bevorzugt?
Ein schneller Rückfluss senkt das Risiko und macht Liquidität früher frei: bei vergleichbaren Gewinnen gewinnt die kurze Amortisation.
3. Warum reicht die einfache Amortisationszeit für ein großes 15-Jahres-Projekt nicht?
Die einfache Amortisation zinst die Flüsse nicht ab. Über lange Zeiträume nutzt man Kapitalwert und IRR, die den Zeitwert des Geldes berücksichtigen.