# IEC 61724 — Leistungsüberwachung von Photovoltaiksystemen

> IEC 61724 definiert, wie die Leistung eines Photovoltaiksystems überwacht und bewertet wird: die Performance Ratio, die Überwachungsklassen A/B/C, die Sensorgenauigkeit und die Methoden zur Verifizierung von Kapazität und Energie gegen Garantien. Sie verwandelt „läuft die Anlage?“ in eine messbare, anfechtbare Zahl.

- Quelle : https://industryhub.site/de/standards/iec-61724
- Herausgeber : IEC
- Familie : Erneuerbare Energien
- Status : current
- Erstveröffentlichung : 1998
- Letzte Revision : 2021 (Teile 1, 2, 3)
- Ausgabe : 1 (61724-1:2021)
- Nächste Revision : Aktive Pflege
- Zugang : Kostenpflichtig (IEC Webstore)
- Sprache : Deutsch

## Dokumentstruktur

- **IEC 61724-1** — Überwachung : Definiert die Überwachungsklassen A/B/C, die zu erfassenden Parameter (Einstrahlung, Temperatur, AC/DC-Leistung, Energie), Sensorgenauigkeit und -platzierung, Abtastung und Datenqualität — die Grundlage jeder Leistungsaussage.
- **IEC 61724-2** — Verfahren zur Kapazitätsbewertung : Ein Kurztestverfahren zur Verifizierung der Anlagenleistung gegen einen Zielwert, mit Korrektur der gemessenen Ausgangsleistung auf Referenzbedingungen.
- **IEC 61724-3** — Verfahren zur Energiebewertung : Ein Verfahren zur Verifizierung der über einen längeren Zeitraum gelieferten Energie gegen ein Modell — die Grundlage der Energieleistungsgarantien in EPC- und O&M-Verträgen.

## Schlüsselbegriffe

- **Performance Ratio (PR)** : Die zentrale Kennzahl: tatsächlich erzeugte Energie geteilt durch die aus gemessener Einstrahlung und installierter Leistung theoretisch mögliche Energie. Der PR rechnet das Wetter heraus und isoliert die Eigengüte des Systems. Gute Anlagen liegen um 0,80-0,85.
- **Referenz-, Generator- und Endertrag** : Referenzertrag (aus Einstrahlung), Generatorertrag (DC-Ausgang) und Endertrag (gelieferte AC-Energie), alle je kWp normiert. Ihre Verhältnisse lokalisieren Verluste — Lücke Generator-zu-End: Wechselrichter-/AC-Verluste; Lücke Referenz-zu-Generator: Modul-, Verschattungs- oder DC-Verluste.
- **Überwachungsklassen A / B / C** : Drei Stufen der Überwachungsstrenge. Klasse A ist die höchste Genauigkeit (große oder hochwertige Anlagen, Leistungsgarantien); Klasse C ist Basis (kleine Systeme). Die Klasse legt die geforderte Sensorgenauigkeit, Redundanz und Aufzeichnung fest.
- **Einstrahlungssensor: Pyranometer vs. Referenzzelle** : Die Einstrahlung in Modulebene ist der Nenner des PR, daher zählt ihr Sensor. Thermosäulen-Pyranometer sind genau, aber träge; Referenzzellen passen zur spektralen und winkelabhängigen Antwort der Module. Klasse A verlangt die engere Genauigkeit.
- **Temperaturkorrektur** : Die Modulleistung sinkt mit steigender Temperatur. Ein temperaturkorrigierter PR trennt echte Unterleistung von einem schlicht heißen Tag und macht den PR über Jahreszeiten und Standorte vergleichbar.
- **Verfügbarkeit** : Der Zeitanteil, in dem die Anlage (oder jeder Wechselrichter) produzieren konnte. Die durch Fehler/Ausfall verlorene Energie von der durch geringe Einstrahlung verlorenen zu trennen ist für eine faire Leistungsbewertung wesentlich.
- **Kapazitäts- vs. Energiebewertung** : Teil 2 beantwortet „erreicht sie die Nennleistung?“ in einem Kurztest; Teil 3 beantwortet „liefert sie die vertragliche Energie?“ über Wochen oder Monate. Verträge stützen sich meist auf eine oder beide, um Leistungsgarantien abzurechnen.

## Von „läuft sie?“ zu einer Zahl

Jeder sieht, dass eine Solaranlage produziert. Die schwierige Frage ist, ob sie **so viel produziert, wie sie sollte** — angesichts der tatsächlich empfangenen Sonne. **IEC 61724** beantwortet das mit der **Performance Ratio** und einer definierten Überwachungsmethode — sie verwandelt einen vagen Eindruck in eine messbare, anfechtbare Zahl, auf die sich Verträge und Kreditgeber stützen können.

## Performance Ratio — die zentrale Kennzahl

Die Performance Ratio (PR) ist die tatsächlich erzeugte Energie geteilt durch die aus der **gemessenen Einstrahlung** und der installierten Leistung theoretisch mögliche Energie. Da sie gegen das tatsächlich gesehene Sonnenlicht normiert, isoliert der PR das Eigenverhalten des Systems vom Wetter. Gut betriebene Anlagen liegen um **0,80-0,85**; ein fallender PR ist das erste Anzeichen von Verschmutzung, Degradation, Wechselrichterfehlern oder Verschattung.

Die dahinterstehenden Erträge — **Referenz-**, **Generator-** und **Endertrag** — lokalisieren, wo Energie verloren geht: zwischen DC und AC (Wechselrichter/AC) oder vor dem Generator (Module, Verschattung, DC).

## Überwachungsklassen A / B / C

Ein PR ist nur so vertrauenswürdig wie die Sensoren dahinter. IEC 61724-1 definiert **drei Klassen** der Strenge: **Klasse A** (höchste Genauigkeit — große Anlagen, Garantien), **B** und **C** (Basis, kleine Systeme). Die Klasse legt die geforderte Genauigkeit der Einstrahlungs- und Temperatursensoren, Redundanz und Datenaufzeichnung fest. Den Einstrahlungssensor richtig zu wählen — **Pyranometer vs. Referenzzelle** — ist wichtig, denn er ist der Nenner jedes PR.

## Kapazität und Energie verifizieren

Die Teile 2 und 3 machen aus Überwachung einen Vertragsnachweis. **Teil 2 (Kapazität)** verifiziert in einem Kurztest, dass die Anlage die Nennleistung erreicht, korrigiert auf Referenzbedingungen. **Teil 3 (Energie)** verifiziert die über Wochen oder Monate gelieferte Energie gegen ein Modell. Das sind die Verfahren, die die in EPC- und O&M-Verträgen festgelegten Leistungsgarantien abrechnen — das Feld-Gegenstück zur Werksqualifikation nach [IEC 61215](/de/standards/iec-61215) und zur Inbetriebnahme nach [IEC 62446](/de/standards/iec-62446).

## Betroffene Branchen

Freiflächen- und Gewerbesolar (O&M, Anlagenmanagement), EPC-Auftragnehmer und Abrechnung von Leistungsgarantien, Unabhängige Überwachung und technische Berater, Kreditgeber zur Prüfung von Ertragsannahmen

## Referenzen & Vertiefung

- [IEC 61724-1:2021 — offiziell](https://webstore.iec.ch/publication/65561)
- [NREL — Ressourcen zu PV-Leistung und Performance Ratio](https://www.nrel.gov/pv/performance-reliability)
