# IEC 60079-14 — Planung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen

> IEC 60079-14 ist das Installationshandbuch für explosionsgefährdete Bereiche. Es legt Kabelauswahl, Trennung, Verschraubungswahl, Potentialausgleich, IS-Stromkreisdokumentation, Kennzeichnung und Prüftätigkeiten für Planung und Errichtung von Ex-Anlagen fest.

- Quelle : https://industryhub.site/de/standards/iec-60079-14
- Herausgeber : IEC
- Familie : Explosionsgefährdete Bereiche
- Status : current
- Erstveröffentlichung : 1996
- Letzte Revision : 2013 (Edition 5) + amendments
- Ausgabe : 5
- Nächste Revision : Edition 6 in active development
- Zugang : Paid (IEC webstore — ~280 CHF)
- Sprache : Deutsch

## Dokumentstruktur

- **IEC 60079-14:2013** — Planung, Auswahl und Errichtung elektrischer Anlagen : Umfassend: ~20 Abschnitte zur Kabelauswahl, Kabeleintrittsverfahren, IS-Systemdokumentation, Potentialausgleich, Ex e-Motorschutz, Transformatoranforderungen, Beleuchtung und den Anforderungen an das EX-BETRIEBSMITTELREGISTER.

## Schlüsselbegriffe

- **Ex-Register** : Pflichtdokument: Liste jedes Ex-Geräts in der Anlage mit Standort, Zertifikatsreferenz, Kennzeichnung, letztem Inspektionsdatum. Wird kontinuierlich gepflegt. Erstes Dokument, das von der zuständigen Behörde geprüft wird.
- **Kabelauswahl** : Kabel für Ex-Anlagen haben zusätzliche Anforderungen über IEC 60364 hinaus: Flammwidrigkeit (häufig LSOH), mechanische Robustheit, spezifische Isolierung für die Schutzart (IS-Kabel typischerweise mit blauem Mantel zur Sichtidentifikation).
- **Auswahl der Kabelverschraubung** : Unterschiedliche Methoden: Druckver-schraubung (häufigste), Barriere (für indirekten Eintritt in Ex d, vergossentyp), Gewinderohr. Die Verschraubung MUSS zur Gehäuseschutzart passen: Ex d-Verschraubung an Ex d-Gehäuse, Ex e-Verschraubung an Ex e-Gehäuse. Nichtübereinstimmungen heben die Zertifizierung auf.
- **Potentialausgleich** : Alle metallischen Strukturen und leitfähigen Teile im Ex-Bereich müssen miteinander verbunden werden, um statische Aufladung und Streuströme zu verhindern. Erdungswiderstand < zonenbezogene Werte (typisch < 1 Ohm an Verbindungsstellen).
- **Kabeltrennung** : IS-Stromkreise MÜSSEN von Nicht-IS-Leistungskreisen getrennt werden. Unterschiedliche Kabelpritschen, unterschiedliche Rohre, Farbcodierung (blau für IS). Mindesttrennabstände werden spezifiziert.
- **Installationsdokument** : Für jeden IS-Stromkreis ein Dokument, das beweist, dass der Stromkreis eigensicher ist: Entity-Parameter Barriere + Gerät stimmen überein, Kabelbeitrag (Cc, Lc) berücksichtigt, Berechnungen aufbewahrt. Erforderlich für jede IS-Prüfung.

## Der Installationsqualitäts-Multiplikator

Man kann für eine Million Euro Ex-zertifizierte Betriebsmittel kaufen. Wenn die Installation nachlässig ausgeführt ist — falsche Kabelverschraubung, fehlender Blindstopfen, unterbrochener Potentialausgleich — ist die Zertifizierung **in der Praxis wertlos** und der Bereich **nicht sicher**.

IEC 60079-14 ist die Installationsdisziplin, die zertifizierte Betriebsmittel in eine zertifizierte Anlage verwandelt.

## Die 5 Nachweise einer konformen Ex-Anlage

1. **Zoneneinteilungsdokument** (nach IEC 60079-10-1/2) — bereits aus vorgelagerter Planung vorhanden
2. **Betriebsmittelliste mit Ex-Kennzeichnungsnachweis** — jedes Gerät entspricht seiner Zone
3. **Installationspläne** — einschließlich Kabelführung, Trennung, Verbindung
4. **Ex-Register** — Betriebsdokument für das Inspektionsregime
5. **IS-Stromkreisdokumentation** — für jeden IS-Stromkreis die Berechnung, die die Einhaltung der Entity-Parameter belegt (Ui ≥ Uo usw.)

Diese Nachweise sind prüfbar und durch ATEX 99/92/EG (Arbeitsplatzrichtlinie) gefordert. Fehlt einer davon = rechtliche Nichtkonformität.

## Auswahl der Kabelverschraubung — der häufigste Fehler

Die Kabelverschraubung an jedem Eintrittspunkt jedes Ex-Gehäuses muss **für diese Schutzart und dieses Gehäuse zertifiziert sein**. Häufige Fehler:

**Fehler 1**: Allgemeine Druckverschraubung an Ex d-Gehäuse verwendet. Ex d erfordert eine **Barriere-Verschraubung** (vergossen), wenn das Kabel als "indirekter Eintritt" ausgeführt ist — d. h. das Kabel führt nicht direkt ins Freie und könnte intern heiße Gase leiten.

**Fehler 2**: Blindstopfen an ungenutztem Eintritt fehlt. Jeder ungenutzte Eintritt muss mit einem **zertifizierten Blindstopfen** verschlossen sein, der zur Schutzart des Gehäuses passt.

**Fehler 3**: Falsche Verschraubungsgröße. Verschraubungen werden nach dem Außendurchmesser des Kabels dimensioniert. Eine lockere Verschraubung ist nicht ordentlich abgedichtet. Eine zu feste beschädigt den Kabelmantel. Beides = beeinträchtigte Zertifizierung.

**Fehler 4**: Verschraubung nicht mit vorgeschriebenem Drehmoment angezogen. Druckverschraubungen benötigen spezifische Drehmomentwerte für eine korrekte Abdichtung. Schätzen reicht nicht.

## IS-Stromkreisdokumentation in der Praxis

Jeder IS-Stromkreis hat eine Dokumentationsmappe mit:

```
Stromkreis: PT-101 / Druckanzeige an T-101
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Feldgerät (Zone 1)
  Hersteller / Modell: Endress+Hauser Cerabar M PMC51
  Zertifikat: KEMA 14 ATEX 0123 X
  Entity-Parameter:  Ui = 30V    Ii = 100mA   Pi = 0,75W
                     Ci = 15 nF   Li = 200 µH

Kabel (auf IS-Pritsche, blauer Mantel)
  Typ / Länge: H05V2-K 2×1,5 mm² / 200 m
  Kapazitätsbeitrag Cc: 200 m × 100 pF/m = 20 nF
  Induktivitätsbeitrag Lc: 200 m × 1 µH/m = 200 µH

Barriere / Trenner (in Schaltschrank C-101, sichere Seite)
  Hersteller / Modell: Pepperl+Fuchs KFD2-STC4-Ex1
  Zertifikat: KEMA 13 ATEX 0456 X
  Entity-Parameter:  Uo = 26V    Io = 80mA    Po = 0,52W
                     Co = 240 nF  Lo = 4 mH

PRÜFUNG
  Ui ≥ Uo:   30V ≥ 26V  OK
  Ii ≥ Io:   100mA ≥ 80mA  OK
  Pi ≥ Po:   0,75W ≥ 0,52W  OK
  Ci + Cc ≤ Co:   15+20 = 35 nF ≤ 240 nF  OK
  Li + Lc ≤ Lo:   0,2+0,2 = 0,4 mH ≤ 4 mH  OK

Ergebnis: Stromkreis ist eigensicher nach IEC 60079-25.

Erstellt von:   [Name]   Datum: [Datum]
Geprüft von:   [Name]   Datum: [Datum]
```

Jede Anlage pflegt Hunderte bis Tausende dieser IS-Stromkreisdokumente in einem kontrollierten Dateisystem (häufig im MES oder einer dedizierten Ex-Verwaltungssoftware).

## Potentialausgleich — unsichtbar, aber kritisch

In explosionsgefährdeten Bereichen müssen **alle metallischen Teile** (Prozessrohrleitungen, Stahlbau, Motorgehäuse, Steuerschränke, Kabelpritschen) durch einen kontinuierlichen niederohmigen Pfad **miteinander verbunden** sein. Gründe:
- Verhindert statische Aufladung (Funke durch Elektrostatik = Zündquelle)
- Verhindert Streuströme aus externen Fehlern durch den Ex-Bereich
- Stellt zuverlässige Erdung für Fehlerstrom-Schutzgeräte bereit

Typische Anforderung: **Widerstand < 1 Ohm** zwischen zwei beliebigen verbundenen Punkten. Wird durch Widerstandsmessungen bei der Inbetriebnahme und regelmäßigen Inspektionen nachgewiesen.

Ein fehlender Verbindungsbügel an einem Prozessflansch in Zone 1 = rechtliche Nichtkonformität. Optisch leicht zu übersehen, bei korrektem Inspektionsregime leicht zu erkennen.

## Betroffene Branchen

Alle Industrien mit explosionsgefährdeten Bereichen

## Referenzen & Vertiefung

- [IEC 60079-14:2013 — offiziell](https://webstore.iec.ch/publication/621)
