# Energieeffizienz: das erste Einsparpotenzial

> Bevor die Industrie Energie anders erzeugt, kann sie vor allem weniger verbrauchen. Hilfsenergien, Motoren, Abwärme: das Einsparpotenzial ist riesig, zugänglich und wirtschaftlich — sofern man es misst.

- Quelle : https://industryhub.site/de/learn/energy/efficacite-energetique
- Lernpfad : Energie & Wende
- Niveau : Entdeckung
- Lesezeit : 5 min
- Sprache : Deutsch

## Kurz gefasst

Die günstigste und emissionsärmste Energie ist die, die man nicht verbraucht. Bevor man anders erzeugt, hat die Industrie ein Einsparpotenzial in Hilfsenergien, Motoren und Abwärme, das man durch Messen steuert (ISO 50001, EnPI).

## Die günstigste Energie ist die, die man nicht verbraucht

Angesichts steigender Preise und der Klimadringlichkeit denkt man zuerst daran, Energie anders zu erzeugen. Es gibt jedoch einen schnelleren, günstigeren Hebel ohne Reue: **weniger davon für dieselbe Leistung zu verbrauchen**. Das ist Energieeffizienz. Eine eingesparte kWh kostet nichts in der Erzeugung, stößt kein CO₂ aus und nutzt kein Equipment ab. Sie ist der erste Schritt, vor jeder Investition in die Erzeugung.

## Wo sich die Verluste verstecken

Die Potenziale sind von Werk zu Werk fast immer dieselben:

- die **Elektromotoren**, ~**70 % des industriellen Stromverbrauchs**, oft überdimensioniert und ohne Frequenzumrichter — ein Umrichter an einer Pumpe oder einem Ventilator spart üblicherweise **20 bis 50 %**;
- die **Druckluft**, belastet durch Leckagen und schlechten Wirkungsgrad;
- der **Dampf**, mit defekten Kondensatableitern und fehlender Dämmung;
- die **Abwärme**: die in die Atmosphäre abgegebene Wärmeenergie — Rauchgase, Kondensat, Warmwasser — die man zur Vorwärmung eines eintretenden Stroms zurückgewinnen könnte.

## Die Hierarchie der Maßnahmen

Es gibt eine vernünftige Reihenfolge. Zuerst den unnötigen Bedarf **beseitigen**: abschalten, was umsonst läuft, Leckagen jagen. Dann **einstellen**: die Motordrehzahl an die reale Last anpassen, einen Netzdruck senken. Dann **zurückgewinnen**: die Abwärme nutzen. Erst danach in leistungsfähigere Anlagen **investieren**. Man beginnt stets mit den kostenlosen oder schnellen Maßnahmen vor den großen Projekten.

Rechenbeispiel: **300 kW** Abwärme aus Rauchgasen zurückzugewinnen, 6.000 h/Jahr, ersetzt ~**1,8 GWh/Jahr** Gas; bei 0,06 €/kWh sind das **~108.000 €/Jahr**, bei einem Tauscher, der sich oft in 2 bis 3 Jahren amortisiert.

## Messen, um zu steuern: ISO 50001 und der EnPI

Man steuert nur, was man misst. Die Norm **ISO 50001** strukturiert ein Energiemanagementsystem: eine Ausgangsbasis festlegen, energiebezogene Leistungskennzahlen ([EnPI](/de/glossary#term-enpi)) definieren, Ziele setzen und Fortschritte prüfen. Ohne diese Messung „schmelzen" Einsparungen mit der Zeit, gute Einstellungen verlieren sich und niemand bemerkt es. In Europa schreibt die Energieeffizienz-Richtlinie ([EED](/de/glossary#term-eed)) zudem Audits für große Unternehmen vor.

## Der Klima-Zusatznutzen und die Amortisation

Jede Effizienzmaßnahme hat eine doppelte Wirkung: Sie senkt die Rechnung ([OPEX](/de/learn/economics/capex-opex)) **und** die Emissionen, ohne den Prozess zu ändern. Viele Maßnahmen haben eine [Amortisation](/de/learn/economics/roi-payback) von wenigen Monaten bis zwei Jahren, und einige werden durch Energieeinsparzertifikate ([CEE](/de/glossary#term-cee)) gefördert. Deshalb ist Effizienz immer der erste Schritt eines Dekarbonisierungsfahrplans: der günstigste, der sicherste, der, mit dem alles beginnt.
